Gemeinsame Erklärung von Adventisten und
Katholiken in Polen unterzeichnet
Warschau/Polen, 20.02.2000/APD "Die
Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten kann weder als neue religiöse Bewegung
noch als Sekte betrachtet werden", bestätigt eine gemeinsame Erklärung,
die in Polen von der römisch-katholischen Kirche und der adventistischen
Freikirche unterzeichnet wurde. Indem die Selbständigkeit und Unabhängigkeit
des jeweils anderen Partners anerkannt wird, wurde das Dokument nach 15-jährigen
Gesprächen herausgegeben, die das Ziel hatten, die Lehren und Praktiken der
Katholiken und Adventisten besser zu verstehen und die Beziehungen ohne Beeinträchtigung
der Identität des andern zu verbessern. Die Erklärung enthält die Tatsache,
dass "die Beziehungen zwischen Katholiken und Adventisten in der
Vergangenheit nicht die besten waren". Sie wurde von dem Vorsteher der
polnischen Adventisten, Pastor Wladyslaw Polok, dem Vorsitzenden der Kommission
für Ökumenische Beziehungen der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof
Alfons Nossol, und weiteren Vertretern beider Kirchen unterzeichnet.
"Mit Bedauern nehmen wir von Fällen
Kenntnis, in denen verschiedene religiöse und staatliche Kreise der Kirche der
Siebenten-Tags-Adventisten den kirchlichen Status verweigerten und sie sogar den
Sekten zuordneten. Solch eine Behandlung ist untragbar und wir glauben, dass sie
äusserst abträglich für die gegenseitigen Beziehungen ist", heisst es in
dem Dokument. "Es bekräftigt die Religionsfreiheit. Wir betrachten es als
eine wichtige Entwicklung, nicht nur für unsere Kirche in Polen. Religiöse
Minderheiten werden zu oft geringer eingeschätzt, als sie wirklich sind",
sagte Pastor Polok. Die Erklärung erkenne an, dass die beiden Kirchen trotz
mancher Entsprechungen auch Unterschiede in Lehre, Praktiken und Ordnungen hätten.
Dennoch betonten beide Seiten die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu achten und
sich besser verstehen zu lernen. Die Gesprächsreihe sei auf einer
partnerschaftlichen Basis, im Geist gegenseitigen Respekts und christlicher
Liebe sowie in Anerkennung der Ideale von Toleranz und religiöser Freiheit geführt
worden, wobei beide Seiten darauf geachtet hätten, "ihre volle Identität
zu bewahren".
Professor Zachariasz Lyko, der die Abteilung
für öffentliche Beziehungen der polnischen Adventisten viele Jahre geleitet
hatte, sagte: "Dies ist für unsere Kirche ein bedeutendes Ereignis."
Die Entwicklung sei nicht ein Ergebnis von Kritik, öffentlichen Angriffen oder
Konfrontation, sondern von christlicher Freundlichkeit gegenüber dem anderen
und Achtung vor der Würde des Menschen gewesen. "Viele von uns können
sich daran erinnern, wie wir uns mit den verschiedenen Bezeichnungen versehen
haben. Wir haben uns missverstanden und oft lächerlich gemacht. Wir bekennen,
dass christliche Liebe eine andere Art des Umgangs miteinander erfordert. Als
Siebenten-Tags-Adventisten bemühen wir uns um eine positive Haltung gegenüber
anderen Bekenntnissen. Wir haben dies öffentlich dargelegt, und das Dokument
bekräftigt unsere Einstellung."
Die Erklärung befasst sich nicht mit Lehr-
oder theologischen Fragen. Während der jahrelangen Gespräche hatten beide
Seiten ihre theologischen Ansichten und lehrmässigen Positionen dargestellt, um
sich besser zu verstehen. Es sei dabei nicht um die Erzielung von Kompromissen
in Lehrfragen gegangen, sondern um zu erkennen, wie der andere sich selbst sehe,
betonte Lyko. "Wir folgten damit den Gründern unserer Kirche. Es ist immer
besser, sich an Gesprächen in gegenseitiger Achtung statt an Konfrontationen zu
beteiligen, die meist die angestrebten Änderungen verhindern." Während
der Jahre des Austausches seien viele lehrmässige Gemeinsamkeiten aber auch
Unterschiede festgestellt worden. "Die katholische Seite anerkennt in dem
Dokument den auf Christus bezogenen Charakter unseres Glaubens und besonders
unser Festhalten an der Trinitätslehre. Andererseits sehen wir besonders in den
letzten Jahren eine Offenheit der katholischen Kirche gegenüber der
Bibel", sagte Lyko.
Von den 38,5 Millionen Polen gehören etwa
90 Prozent der römisch-katholischen Kirche an. Die seit 1891 im Land
vertretenen Siebenten-Tags-Adventisten zählen heute 5 500 erwachsene getaufte
Mitglieder in 123 Gemeinden. Die Freikirche ist seit 1995 staatlich anerkannt,
hat einen Gaststatus im Polnischen Ökumenischen Rat (PÖR) und unterhält ein
theologisches Seminar, ein Altenheim, ein Verlagshaus sowie eine Produktionsstätte
für Rundfunk- und Fernsehsendungen. [41/2000]